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Wissenswertes
26.11.2025
1 Min. Lesezeit

Kranke Zeiten – alles eine Frage der Definition

Früher galten bestimmte Zustände als Krankheiten – heute wissen wir, dass sie keine medizinische Behandlung benötigen. Doch was genau hat sich verändert? Und welche historischen Diagnosen wirken heute geradezu absurd?

Wie entstehen „Krankheiten“?

Medizinische Definitionen sind nicht immer stabil. Was in einer Epoche als Krankheit behandelt wird, kann in einer anderen als normale Variation menschlichen Lebens gelten. Oft spielten gesellschaftliche Normen, fehlendes Wissen oder kulturelle Vorstellungen eine große Rolle. Viele Diagnosen waren daher weniger wissenschaftlich begründet als moralisch oder sozial motiviert.

 

Historische Beispiele für „Krankheiten“

Hysterie

Bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert wurde Hysterie fast ausschließlich bei Frauen diagnostiziert. Symptome reichten von Stimmungsschwankungen über Nervosität bis zu körperlichen Beschwerden wie Krämpfen. Heute wissen wir: Es handelte sich oft um psychische Belastungen, Stress oder schlicht gesellschaftlich definierte Normabweichungen – Hysterie ist keine medizinische Krankheit.

Homosexualität

Lange Zeit galt Homosexualität als psychische Störung. In der Mitte des 20. Jahrhunderts stand sie noch in medizinischen Handbüchern. Erst 1973 wurde sie offiziell aus der Liste der psychischen Krankheiten der American Psychiatric Association gestrichen. Heute ist sexuelle Orientierung keine Krankheit, sondern ein normaler Bestandteil menschlicher Vielfalt.

Linkshändigkeit

Früher wurde Linkshändigkeit oft als Fehlbildung oder „krankhaft“ angesehen. Kinder wurden gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben, und linke Hände galten als unnatürlich oder gefährlich. Heute wissen wir: Linkshändigkeit ist eine normale neurologische Variation.

Menstruation

In manchen Kulturen galt die Menstruation als Krankheit oder als Zustand, der besondere medizinische Behandlung erfordert. Menstruierende Frauen wurden als schwach oder anfällig betrachtet. Heute ist die Menstruation eine normale biologische Funktion – keine Krankheit.

Masturbation

Vom 18. bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Masturbation als gefährliche Erkrankung betrachtet. Ärzte warnten vor körperlichem und geistigem Schaden, und es gab allerlei „Heilmittel“. Heute wissen wir: Masturbation ist ein normaler Teil menschlicher Sexualität und keine Krankheit.

 

Was wir daraus lernen

Viele historische „Krankheiten“ zeigen, wie stark Medizin und Gesellschaft miteinander verflochten sind. Krankheiten werden nicht nur durch körperliche Symptome definiert, sondern auch durch kulturelle Vorstellungen. Was früher Angst oder Stigma auslöste, gilt heute als normale Variation menschlicher Erfahrung.

 

Fazit: Wissen verändert unser Krankheitsbild

Medizin ist ein sich entwickelndes Feld. Manche Diagnosen verschwinden, andere entstehen – immer abhängig von Forschung, Kultur und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Historische Krankheitsbilder wie Hysterie, Homosexualität, Linkshändigkeit, Menstruation oder Masturbation erinnern uns daran: Nicht jeder Unterschied ist ein Defekt, nicht jede Abweichung eine Krankheit.

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